Infografiken: Mehr als die Summe ihrer Teile

Trockenes Thema, Zahlenberge – das schreit förmlich nach visueller Unterstützung. Doch für eine gelungene Infografik reicht es nicht, dem Grafiker einen Stapel Daten in die Hand zu drücken. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengetragen.

In einem Text zu visueller Kommunikation führt kein Weg an der altbekannten Weisheit über die Bilder und die Worte vorbei. Daher direkt vorweg:

 

So abgedroschen dieses Sprichwort auch sein mag, so zutreffend bleibt es. Denn Bilder gelangen gewissermaßen per Direktverbindung in unseren Kopf: Während das menschliche Gehirn Bilder fast in Echtzeit verarbeitet und intuitiv ihre Bedeutung erkennt, muss es Gelesenes zeitaufwändig Buchstabe für Buchstabe entschlüsseln. Ein entscheidender Nachteil gerade für Texte in digitalen Medien, bei denen zu unserer schrumpfenden Aufmerksamkeitsspanne noch eine niedrigere Aufnahmefähigkeit kommt.

Wer sich die Aufmerksamkeit seiner Website-Besucher oder Social-Media-Follower sichern möchte, kommt an visuellen Mitteln also nicht vorbei. Das gilt umso mehr für komplexe und datenlastige Themen. Eine gelungene Infografik schleust Zusammenhänge, Abläufe oder Statistiken auf einen Blick auch in lesescheue Köpfe – und sorgt zusätzlich noch dafür, dass sie dort auch länger bleiben. Denn visuelle Elemente können wir uns deutlich besser merken als Informationen, die wir auf anderem Weg aufgenommen haben.

Konzeption – die Infonadel im Datenhaufen finden

Das bedeutet allerdings nicht, dass es die vorrangige Aufgabe des Art Directors ist, ungefilterte Daten-Sammlungen in eine verständliche, übersichtliche und ansprechende Grafik zu verwandeln. Eine gute Infografik erzählt eine Geschichte, indem sie Content und Design zusammenführt. Daher wird das am liebevollsten gelayoutete Schaubild zum gemischten Zahlensalat, wenn es keine klar definierte Aussage hat. Welche Botschaft soll der Betrachter mitnehmen? Was sind die relevanten Informationen, Zahlen und Zusammenhänge? Welche aktuellen und gesicherten Daten liegen überhaupt vor? Diese Fragen müssen geklärt sein, bevor es ans Layout geht.

Gerade, wenn man schon erste Visualisierungsideen im Kopf hat, helfen sie auch bei einem Relevanzcheck. Machen die abgebildeten Informationen im Kontext des Themas Sinn und unterstützen sie die Gesamt-Message? Überspitztes Beispiel: So gut eine Infografik über den CO2-Fußabdruck der Batterieproduktion in einen Artikel über die Vor- und Nachteile der Elektromobilität passt, so wenig hat sie in einem Kundenmagazinbeitrag über den neusten E-Antrieb zu suchen.

Umgekehrt dienen die konzeptionellen Überlegungen als Leitfaden, wenn es darum geht, gezielt Informationen für eine Grafik zu einem bestimmten Thema zu finden. Diese Recherche muss sich übrigens nicht auf Zahlen und Statistiken beschränken. Auch Prozesse, zeitliche Abläufe, Organisationen oder generelle Zusammenhänge können eine gute Basis für eine grafische Darstellung liefern.

 

Design – eben nicht nur reine Geschmackssache

Während das inhaltliche Konzept festlegt, welche Informationen im Mittelpunkt stehen sollen, erfordert auch die Darstellung einige Vorabüberlegungen. Schließlich entscheidet der Stil der Infografik darüber, ob der Leser sich von der Darstellung angesprochen fühlt und sich weiter damit auseinandersetzen möchte. Dazu ist es wichtig, sich über die Zielgruppe und ihre Ansprüche Gedanken zu machen. Denn ein und derselbe Content lässt sich auf unzählige Weisen darstellen: verspielt, elegant, in Retro-Optik oder technisch-schlicht; monochromatisch, in Pastellfarben oder in Grautönen; gezeichnet, mit Icons und Piktogrammen oder sogar als Realbild. Auch wenn das Corporate Design hier einen gewissen Gestaltungsrahmen vorgibt, bestehen oft ganz unterschiedliche Ansatzweisen. Es lohnt sich, diese Möglichkeiten auszuschöpfen.

 

Der gewählte Stil muss auch zur Botschaft passen. Unabhängig von der Zielgruppe würde eine Grafik über die Auswirkungen des Klimawandels in bonbonbunter und verspielter Cartoon-Optik deplatziert wirken.

Nicht zuletzt spielen für die Planung des Designs auch der Einsatzzweck sowie die vorgesehenen Kanäle eine wichtige Rolle. Sie bestimmen verschiedene technische Parameter: Für eine Grafik, die der Nutzer primär auf dem Smartphone sieht, gelten andere Formatvorgaben, Animationsmöglichkeiten und Größeneinschränkungen als für eine Doppelseite im Print-Magazin.

Übersichtlichkeit – weniger ist mehr

Keine Frage: Wimmelbilder haben ihre Berechtigung, gelegentlich auch in der Unternehmenskommunikation. Weckt eine Infografik allerdings das diffuse Bedürfnis, nach Waldo zu suchen, ist beim Layout definitiv etwas schiefgegangen. Eine gelungene Infografik ist vor allem eines: übersichtlich. Der Betrachter muss die zentrale Aussage auf einen Blick erfassen können. Alle Bestandteile ordnen sich in eine logische Gesamtstruktur ein, die die Zusammenhänge hervorhebt und nachvollziehbar macht. Typografie, Zahlen und Piktogramme steuern den Lesefluss. Was nicht auf die Botschaft einzahlt, hat in der Darstellung nichts verloren – so optisch ansprechend das jeweilige Icon auch sein mag. Wie so oft bestätigt die Ausnahme die Regel; ein sorgfältig ausgewähltes, interessantes, unerwartetes Detail, das den Leser überrascht und so seine Aufmerksamkeit auf die Grafik zieht, sollte möglich sein. Wie sonst kommt die gewünschte Spannung in die Infografik?

 

 

Die Maxime der Übersichtlichkeit gilt auch für das Layout: wenige Schriftarten, ein klarer Darstellungsstil und eine in sich und mit dem Thema konsistente Farbwelt. Kurze, prägnante Textbausteine und grafische Elemente halten sich die Waage. Bei aller Beschränkung auf das Wesentliche darf die Schlichtheit aber nicht auf Kosten des Inhalts gehen. Eine Infografik ist in sich abgeschlossen, selbsterklärend und funktioniert als teilbarer Content auf Social Media auch ohne ergänzenden Text.