Brumm(i)ende Zukunft

08.10.2018 | / /

Eine Branche rüstet auf: Bei der IAA 2018 zeigten die Nutzfahrzeughersteller, dass sie bezüglich Trends wie Elektromobilität, Digitalisierung und Automatisierung keine Berührungsängste haben.

Mehr Aussteller, mehr Weltpremieren, mehr Ausstellungsfläche – die Bilanz der 67. IAA Nutzfahrzeuge spiegelt die Gesamtsituation einer Branche wieder, in der von Krise nichts zu spüren ist. Während die Pkw-Fraktion gegen die Verunsicherung kämpft und renommierte Messen wie der Pariser Automobilsalon scharenweise Aussteller verlieren, glänzten die Nutzfahrzeughersteller in Hannover mit Kreativität, Innovationsfreude und Realitätssinn. Die durchgängige Botschaft: Die Industrie greift gesellschaftliche Forderungen auf und stellt sich der Verantwortung hinsichtlich Umwelt und Sicherheit.

Von der zunehmenden Transportleistung auf den Straßen dieser Welt und den daraus resultierenden Emissionen bis hin zu den erhöhten Sicherheitsrisiken durch das vermehrte Verkehrsaufkommen – sowohl OEMs wie auch Zulieferer hatten die Herausforderungen der Zukunft umfassend im Blick und präsentierten konkrete technische Lösungen. Den roten Faden bildeten dabei die drei großen Themen Digitalisierung, Automatisierung und natürlich Elektromobilität, ohne aber den branchenüblichen Sinn für zählbaren Kundennutzen und Total Cost of Ownership (TCO) aus dem Auge zu verlieren.

Strom allein macht auch nicht glücklich

Ein Beispiel hierfür: die vielfältigen Elektro-Prototypen und ‑Serienneulinge in allen möglichen Gewichtsklassen. Egal, ob Transporter oder Bus – auf dieser IAA fand sich eine Variante, die emissionsfrei und leise durch den Stadtverkehr schnurren kann. Trotz dieses klaren Trends schienen sich alle Beteiligten einig zu sein, dass es für die aktuellen Herausforderungen nicht die eine technologische Lösung gibt. Entscheidend ist stattdessen, Maßgeschneidertes anzubieten für die unterschiedlichen Anforderungen.

Unter diesem Gesichtspunkt spielte auch der – im Automobil-Bereich zunehmend totgesagte – Diesel in Hannover weiterhin eine zentrale Rolle, insbesondere bei den Lkw. Das Bekenntnis dazu entspringt nicht einer Trotzreaktion, sondern nüchternem Pragmatismus: Beim aktuellen Stand von Technik und Infrastruktur bleibt eine rein elektrische Fernlogistik vorerst sowohl aus wirtschaftlicher wie auch ökologischer Sicht eine unrentable Utopie.

Stattdessen setzen die Hersteller auf Methoden, die Verbrenner-Trucks emissionsärmer zu machen – sei es mit Hybridantrieben oder durch Platooning-Konzepte, bei denen die Fahrzeuge auf der Autobahn im engen Konvoi Luftwiderstand und Kraftstoffverbrauch senken. Denn am besten lässt sich die Effizienz immer noch steigern, wenn die verschiedenen Vorteile von Vernetzung, automatisierten Funktionen und Elektrifizierung zusammenkommen. Man darf gespannt sein, wie viel davon vielleicht schon bei der IAA 2020 in Serienanwendungen auftaucht.