Digitale Events: Corona-Mode oder echte Alternative?

In Zeiten von Versammlungsverboten bieten sich Online-Konferenzen, Webinare und digitale Messestände als Alternativen zur Live-Kommunikation an. Aber sind sie das wirklich? Und vor allem dauerhaft?

 

Die Themenfelder rund um die Digitalisierung von Live-Kommunikation sind viel zu komplex, um Fragen immer mit einem simplen „Ja“ oder „Nein“ beantworten zu können. Die „geniale“ Lösung aus dem bunten Angebot zahlreicher Dienstleister mag tatsächlich heute eine gute Alternative sein – ob sie langfristig und in Wiederholungen taugt, sei dahingestellt. Wie so oft im Leben ist Timing alles, gerade bei Kommunikation. Aber was in der Corona-Krise passt, muss nicht dauerhaft gut sein.

Aktuell gilt: Digitale Meetings, Lernen am Bildschirm und die Diskussion von Themen auf Online-Plattformen haben immens an Bedeutung gewonnen. Solange Normalität im Geschäfts- und Alltagsleben unmöglich ist, bleibt der Austausch via Web und App der einzig sinnvolle Weg, möglichst viele Menschen abzuholen. Außerdem wird deutlich, dass digitale Kanäle viel besser funktionieren als gedacht – auch bei höchster Auslastung der Netze.

Es zeigt sich zudem, dass manches Thema für seine Inszenierung keine lange Anreise nach Berlin oder Buxtehude braucht. Mit Bildschirm, Kopfhörer und Tastatur kann man vom heimischen Arbeitsplatz oder Büro aus Vorträgen und Präsentationen folgen und per Chat oder Zuschaltung mitdiskutieren. Die Auswahl wirklich relevanter (und spannender) Themen fällt zudem leichter – und wenn’s langweilt, hat man sich schnell und problemlos ausgeklinkt. Dies gilt für Firmenmeetings ebenso wie für Schulungen aller Art, Webinare und Kongresse. Am Anbieter und seinen Fähigkeiten liegt es am Ende, seine Zielgruppen so zu fesseln, dass sie bei der Stange bleiben …

Tausende nehmen digital live teil

Der digitale Austausch zu brennenden Themen funktioniert für viele Unternehmen aktuell in Videokonferenzen oder Townhalls, in denen Belegschaften weltweit über die Auswirkungen des Virus informiert werden. Stabile Plattformen lassen es zu, dass sich ausgewählte Gruppen oder auch viele tausend Menschen gleichzeitig einwählen, um Live-Übertragungen und Präsentationen zu folgen – und Fragen zu stellen. So können auch in Zeiten der Kontakt- und Reisesperre entscheidende Inhalte in alle Richtungen kommuniziert werden. Das funktioniert im Großen wie im Kleinen: So läuft die wöchentliche Konferenz der WORTWERKSTATT schon seit über einem Jahr offline/online für Anwesende und Teammitglieder im Homeoffice. Seit März 2020 treffen wir uns nur noch digital und machen damit beste Erfahrungen. Allein bei der digitalen Happy Hour am Freitagnachmittag fehlt uns der persönliche Kontakt …

 

Apropos persönlicher Kontakt: Besonders hart trifft es im Moment die Unternehmen und Marken, die ihre Themen klassisch live über Messen, Produktvorstellungen, Pressekonferenzen und Events aller Art erlebbar machen. Auch wenn es eigentlich kaum denkbar ist: Diese Art kommerzieller Veranstaltungen wird es auf längere Zeit nicht geben. Mit dem Budget eines Messestandes oder Showrooms kann aber natürlich auch ein digitales Kommunikations-Highlight geschaffen werden: Virtual Reality, zielgruppengerecht konzipiert und programmiert, ein knackiges Video oder ein kurzer, origineller (Spiel-) Film überbrücken die Zeit bis zur nächsten Real-Begegnung. Allerdings nur, wenn sie tatsächlich gut gemacht sind, innovativ, anders, überraschend und unterhaltsam. Die Schau- und Spiellust des Menschen ist eine Triebfeder, die jetzt durchaus zu nutzen ist. Webinare, Podcasts und Whitepaper allein werden den Austausch von Informationen nicht in Bewegung halten.

Digitales Kaffeekränzchen statt Versauern im Homeoffice

 

Es ist für uns Kommunikatoren keine Option, angesichts der Herausforderungen in Schockstarre zu verfallen. Am Ende sind Kreativität und die freche Nutzung technischer Möglichkeiten gefragt. Wie kann ich mein Thema so originell an meine Zielgruppe herantragen, dass sich diese aus reinem Interesse und Spaß nicht nur einwählt, sondern auch die Informationen speichert? Viele haben jetzt massig Zeit und wenig Anregung. Das digitale Kaffeekränzchen mit Kunden, aber auch mit Kollegen ist nur eine treffliche Idee, Kontakte zu halten oder neu zu generieren, wenn alle Beteiligten im Homeoffice versauern.

 

 

Und was wir in alle weiteren Überlegungen einbeziehen sollten: Nach Corona wird sich unser aller Konsumverhalten verändert haben. Werden wir tatsächlich wieder unbefangen zu Großveranstaltungen gehen? Was müssen wir bei neuen Event-Konzepten in Sachen Customer Journey bedenken, oder bei Fragen nach dem haptischen Erlebnis, möglichen Gruppengrößen oder veränderten Veranstaltungs-Layouts?

Kunst mal ganz anders: Zuhause statt im Museum

Ganz ehrlich? Keiner weiß im Moment, wie es weitergehen wird in unserem Geschäft. Ein kluger Ratgeber empfahl kürzlich, die weitere Entwicklung vom Ende her zu denken und dabei auch keine Blockaden zuzulassen. Das ist herausfordernd. Und disruptiv.

Wir sind überzeugt, dass Events weiterhin gefragt sein werden. Der lebendige Austausch zwischen Menschen, der qualifizierte, weil persönliche Kontakt mit (neuen) Businesspartnern, das Ausprobieren und Erleben von Produkten aller Art – das braucht Live-Plattformen. Aber manches wird anders sein und anders werden. Zumindest auf (nicht) absehbare Zeit.

Eine clevere, sehr kreative und wahrlich disruptive Idee sei zum Abschluss geteilt: Da Kunstliebhaber derzeit nichts ins Museum dürfen, dreht die Kunsthalle Wilhelmshaven den Spieß um. Die aktuelle Ausstellung von Reiner Maria Matysik wird zum Take-away-Event: Interessierte dürfen sich seine Kunst einfach ausleihen und nach Hause holen. Bis zum Rückruf nach Corona. So geht’s!