Wisch und Heck

Weil regelmäßige Pkw-Fahrsicherheitstrainings wichtig sind, habe ich kürzlich wieder eines mitgemacht. Die drei Hauptunterschiede zu früheren Teilnahmen: Der familieneigene Wagen kam zum Einsatz. Die Veranstaltung erstreckte sich über zwei Tage. Und ich musste mich mit der Rolle des Beifahrers begnügen.

Das Steuer hatte diesmal eine ambitionierte Dame übernommen. Welche, bleibt geheim, das versprach ich meiner Lebensgefährtin noch im Auto. Zum Glück stufte sie die zentralen Aha-Erlebnisse als kommunizierbar ein.

Grenzbereichs-Erfahrung

Die vom Trainer empfohlene Sitzposition spannte die Pilotin so nah und aufrecht vor Pedalerie und Volant, dass der Lenkradairbag direkt nervös wurde. Was eigenartig klingt, sollte sich schon in der engen Kreisbahn bezahlt machen. Denn dort überraschte die Frontkratz-Kombilimo mit beachtlicher Querbeschleunigung.

 

Mich drückte es infolgedessen hemisphärisch ins Seitentürfach, während die festgezurrte Steuerfrau unbeeindruckt im Race-Modus verharrte. Sie hatte es sich nebenher zur Aufgabe gemacht, das stampfende V8-Wildpferd eines Kurskollegen auf Distanz zu halten. Doch auch ein antirostfarbener VW Golf Variant syncro folgte tapfer. Es schien ihm gar nichts auszumachen, dass die Allradantriebsehe zwischen seiner Vorder- und Hinterachse irgendwann in den 20 Autojahren zu Bruch gegangen war.

Nächste Station: Nasshandling. Subtext: Ein Auto steuert an, was die lenkende Person in den Blick nimmt. Und schon machte sich – Kasko hin oder her – bezahlt, dass Trainingszentren für die Simulation von Hindernissen nicht Eiche verwurzelt, sondern Wassersäulen temporär verwenden.

Das Trainieren der Fahrsicherheit bereitet im Nass großen Spaß, der Person am Steuer allerdings mehr als einer danebensitzenden.

 

Unerwünschter Nebeneffekt

Die passiv gesammelten Eindrücke lassen mehrere, persönlich nicht immer einfache Schlussfolgerungen zu, erstens: Meine Lebensgefährtin beherrscht das Auto jetzt besser als ich. Fahrtalent kann zweitens automobiltechnisch bedingte Mankos teilweise wettmachen. Drittens soll mir keiner über moderne Elektronikassistenten schimpfen: Die korrigieren, stabilisieren und dynamisieren im Grenzbereich besser, als es jeder von uns Normalfahrern könnte. Nur Vollbremsen und Lenken müssen wir heute (wenn überhaupt) bei Gefahr noch selbst. Mutigen sei zum Vergleich ein zackiges Ausweichmanöver mit einem Analogauto aus der Ära vor Stabilitätskontrolle und ABS empfohlen. Viertens und abschließend warne ich vor einem enormen Sicherheitsrisiko, dem auch jetzt noch keine elektronischen Helfer beikommen: Gibt nämlich ein besserwisserischer Beifahrer in kritischen Situationen „Fahrtipps“, kracht es garantiert.